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Erotikeintrag - Lexicon
Alles Rund um das Thema Erotik!
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Altertum Sexualitaet im 
--> Abwehrzauber, Amasius , Amor , Bona Dea, Catamitus, Catena, Caupona, Dianakomplex, Eros, Erotomanie, Etrusker, Galli, Ganeum, Hermaphrodit, Kandaulesismus, Kapeleion, Kinäden, Lesbos, Lesche, Lex Iulia de adulteriis, Lex Iulia de maritandis ordinibus, Lex Papia Poppaea, Lex Ripuariorum, Lex Romana Visigotorum, Luperkalien, samothrakische Mysterien, Oedipuskomplex, Olisbos, kabirische Orgien, Platonische Liebe, Popina, Puer sanctus, Sappho, Sokratische Krankheit, Spintrien, Strophion, Symplegma, Symposion, Taberna, Tempelprostitution, Tribade.
Amasius 
[lat.: Liebhaber], männlicher Prostituierter im alten Rom
Ambierastie 
[lat.: ambo = beide, gr.: erastes = Liebhaber], ein von Friedländer geprägtes Synonym für Bisexualität. In seinem Werk Renaissance des Eros uranios schlug er vor, die Menschen in Ambierasten (Bisexuelle), Gynäkerasten (Heterosexuelle) und Päderasten (Homosexuelle) einzuteilen. Vgl.: Ambisexualität , Amphierotik , Biamanten, Bisexualität, Doppelgeschlechtlichkeit, Drehpunkt, Drittes Geschlecht, Geschlechtsübergänge, Hermaphrodit, Intersexualität, Panhermaphroditismus, Seelenzwitter, Trisexualität, sexuelle Zwischenstufen.
Ambisexualität 
[lat.: ambigus = schwankend, sexus Geschlecht], ein von Ferenzci geprägter Begriff, der die Fähigkeit ausdrücken soll, beide Geschlechter zu lieben. --> Ambierastie , Amphierotik , Amphigen, Amphiphilie, Biamanten, Bisexualität, Doppelgeschlechtlichkeit, Drehpunkt, Drittes Geschlecht, Geschlechtsübergänge, Hermaphrodit, Intersexualität, Panhermaphroditismus, Seelenzwitter, Trisexualität, sexuelle Zwischenstufen.
Amicus 
[lat.: Freund] nannte man im Mittelalter den Zuhälter. --> Alphonse, Aufmacher, Bärentreiber, Frauenmeister, Frauenwirt, Freihat, Freiwirt, Hackerbub, Hurenwirt, Jungfernschaftsprokurist, Kappelbub, Krameltreiber, Louis, Lude, Ludewig, Pilger, Plattenbruder, Pulion, Purlierer, Sponsierer, Stenz, Strawanzer, Strizzi, Töchterwirt, Zutreiber. Vgl.: Amyenhaus .
Ammeisterknechte 
östlich und westlich des oberen Rheins im Mittelalter die Stadtknechte, denen die Überwachung der Prostituierten oblag. Sie hatten die Aufgabe, die wöchentlich zahlbaren Zinsen der --> Frauenwirte für die Pacht der --> Frauenhäuser einzukassieren, die Verpflegung und den Gesundheitszustand der --> Huren zu kontrollieren, entflohene einzufangen, verschuldete zur Rechenschaft zu ziehen und ortsfremde auszuweisen. Bettelherr, Capita sexteriorum, Corte delle meretrici, Domini di nocte, Frauenrichter, Gewaltbote, Hurenhaber, Hurenweibel, Profoß, Receveur des filles communes, Roi des Ribauds.
Ammeninzest 
ein Begriff, der die lebenslängliche Bindung mancher Menschen an ihre ehemaligen Ammen ausdrücken soll. Die Beziehung vom Kind zur Amme ist besonders bei gesellschaftlich beschäftigten Eltern oft enger als die zur Mutter. Die Brusternährung bestimmt ja bekanntlicherweise oft die Form aller späteren sexuellen Wünsche. Geruch, Geschmack, Aussehen, Haarfarbe, Augenfarbe, Qualität des Teints und andere Aspekte, die die sexuelle Partnerwahl des erwachsenen Menschen bestimmen, gehen oft auf entsprechende Eigenschaften der Person zurück, die das Kind gesäugt hat, sei es die Mutter oder die Amme. Dazu kommt, daß viele Ammen im besten Glauben und ohne sich der Sexualität der Praxis bewußt zu sein, ihre Zöglinge zu masturbieren pflegten, wenn diese nicht schlafen wollten oder konnten, unglücklich waren, schrien oder weinten. Aus dieser Kindheitsonanie, deren Erinnerung meist sehr bald vom Kind verdrängt wird und deshalb um so stärker aus dem Unterbewußten heraus wirkt, entstand jene eigentümliche Bindung an die Amme, der ich den Namen A. gegeben habe, weil sie häufig zur sexuellen Fixierung auf die Amme oder ihr ähnliche Frauen führt. Hier ergibt sich ungewöhnlich oft ein homosexueller A., d. h. eine Unfähigkeit der so erzogenen Frau, je mit einem Manne koitieren zu können. Selbst bei der Wahl ihrer lesbischen Partnerinnen zeigen solche Frauen eine ausgesprochene Vorliebe für ältere Frauen, insbesondere solche, die der ehemaligen Amme in irgendeiner Weise ähneln. Auch der heterosexuelle A. des Mannes zeigt bei der Wahl des Sexualpartners meist eine Suche nach älteren Frauen. (--> Graeophilie, Presbyterophilie). Nicht selten entsteht aber auch eine sexuelle Bindung an die Amme selber. Die Zahl der
Männer, die sexuelle Beziehungen zu ihren ehemaligen Ammen unterhalten oder sie sogar heiraten, ist ganz erstaunlich groß. --> Blutschande, Inzest, Inzestfetischismus, Mutterfixierung.
Amor 
der römische Gott der Liebe. Er entspricht dem griechischen --> Eros und gilt wie dieser als eine der ältesten Götterfiguren. Da er die Liebe, nicht aber die Zeugung beschützt, hat er keinen Erzeuger. Er ist das Prinzip der Geschlechtlichkeit, nicht der Fortpflanzung. Er ist allmächtig. Keiner der Götter, weder Jupiter, der Göttervater, noch Venus, die in der späteren Kosmogonie des Vaterrechts zur Mutter Amors ernannt wurde, ist gegen ihn gefeit. Er ist mit Bogen, Pfeil und Köcher ausgerüstet, d. h. mit den männlichen Attributen Hoden, Penis und Sperma, und greift damit Mann und Frau an, ist also nicht nur der Gott der heterosexuellen Liebe, sondern auch der der männlichen Homosexualität. Nicht beschützt er die weiblichen Homosexuellen, die der Guten Göttin, der
Bona Dea, unterstehen. Die Stellung der Römer dem Amor gegenüber war ebenso zwiespältig wie die der Griechen zum Eros. Jupiter erkannte den Amor schon bei seiner Geburt als Unheilstifter und wollte ihn töten, denn er sah in der Liebe eine blinde Leidenschaft, gegen die weder Götter noch Menschen sich verteidigen konnten. Deshalb wurde Amor oft mit einer Binde vor den Augen dargestellt: Liebe ist blind. Aber Liebe ist auch eine Leidenschaft, und in diesem Aspekt des Leidens sah Zeus, der nichts gegen die Sinnenfreude hatte, die Gefahr jener Form der Geschlechtsverbindung, die Eros zustande brachte: eine Verbindung zweier Menschen, die sich der Gemeinschaft entziehen und nur noch füreinander leben. Im Gegensatz zu uns, die wir gerade hierin den Sinn der Liebe sehen, erkannten die Griechen hierin eine Schädigung der Gemeinschaft. Denn jeder Körper und die Sinnenfreude, die er einem anderen Körper geben kann, gehörten bis zur Heirat der Gemeinschaft. Sich zu verlieben bedeutete deshalb, den Körper der Gemeinschaft zu entziehen. Daraus konnte weder für die Gemeinschaft noch für die beiden Betroffenen etwas Gutes erwachsen. Es war ein Unglück. Die Römer folgten anfangs dieser griechischen Überzeugung und vermuteten deshalb in der Liebe ganz und gar nicht jene positive Kraft, die wir in ihr sehen. Sie betrachteten sie eher als eine Krankheit, einen Wahn (--> Erotomanie), einen Schicksalsschlag. Dies erklärt die Schärfe des Konflikts zwischen Rom und dem Christentum. Denn genau das, was das Christentum verdammte, die reine Sinnenfreude des Geschlechtsverkehrs, betrachteten die Römer als das Gute und Edle an der Liebe. Genau das, was das Christentum erstrebte, die lebenslängliche, ausschließliche Bindung eines einzigen Menschen an einen einzigen anderen Menschen, fürchteten die Römer, weil sie in einer solchen Bindung den Pfeil des Amor , die Wunde der Liebe, den verletzenden und nicht den heilenden Aspekt des Geschlechtsverkehrs sahen.
Amor ereos 
ein von dem Arzt Bernhard von Gorden (Bernard de Gordon de Montpellier) Anfang des 14. Jahrhunderts geprägtes Synonym für Liebe, das oft als Beweis dafür zitiert worden ist, daß das griechische Konzept der Liebe als gemeingefährlicher Wahnsinn noch bis ins 14. Jahrhundert hinein wirkte und daß die Vergötterung der Liebe erst mit den --> Katharern und den —> Troubadours begann. Bernhard von Gor-den beschrieb die Liebe in seinem Lilium medicinae, seiner >medizinischen Fallgrube<, als eine der >melancholicae passiones< und reihte sie in die Gruppe der Gehirnkrankheiten ein. Als Therapie der Liebe schlägt er vor, eine möglichst häßliche alte Frau solle dem Verliebten ein mit Menstrualblut beflecktes Hemd der Angebeteten vor die Nase halten und dazu die Worte sprechen: >Talis est amica tua — Das ist deine Geliebte!< Vgl.: Erotomonie, Frauenhaß, Misogynie.
Amor lesbicus 
[lat.: lesbische Liebe], —> weibliche Homosexualität, Lesbizismus, Lesbos.
Ampallang 
[indon.], in den Penis eingesetzte Reizkügelchen, die den Geschlechtsverkehr angenehmer für die Frau machen sollen. Bei den Dajaken auf Borneo gilt die Weigerung des Mannes, einen A. zu tragen, als Scheidungsgrund. Der A. wird vermittels einer in der Pubertät beigebrachten Durchbohrung des Penis eingeführt und im Lauf der Jahre durch immer größere A. ersetzt. Vgl.: Blinde Raae, Guesquel, Kabutodama, Kabutogata, Kampiong, Penis-Inkrustation, Persimbraon, Reizinstrumente, Zuiki.
Amphierotik 
[gr.: amphi = beiderseits, eros = Liebe], die Fähigkeit, bei beiden Geschlechtern Liebe hervorzurufen.
AMPHIGEN [lat.: genus = Geschlecht], zweigeschlechtlich. In der Psychoanalyse spricht man von der amphigenen Entwicklungsphase des Kindes, in der es bisexuell orientiert ist, also sowohl Männer wie Frauen lieben kann, ohne homosexuell zu sein.
AMPHIPHILIE [gr.: philia = Liebe], die Fähigkeit, beide Geschlechter zu lieben. --> Ambierastie , Ambisexualität , Biamanten, Bisexualität, Doppelgeschlechtlichkeit, Drehpunkt, Drittes Geschlecht, Geschlechtsübergänge, Hermaphrodit, Intersexualität, Panhermaphroditismus, Seelenzwitter, Trisexualität, sexuelle Zwischenstufen.
Amputationsfetischismus 
sexualwissenschaftlicher Begriff, der fünf verschiedene Varianten des —> Deformationsfetischismus unter einen Generalnenner zu bringen versucht.
1. Sexuelle Leidenschaft für amputierte Menschen;
2. Die Fetischisierung der Amputation als Objekt;
3. Den Wunsch, seine eigenen Glieder amputieren zu lassen;
4. Den Versuch, sich die Illusion zu geben, amputiert zu sein;
5. Den Wunsch, andere Menschen durch die Exhibition einer Amputation zu erschrecken.


1. Sexuelle Leidenschaft für amputierte Menschen. Die Fachliteratur berichtet über zahlreiche Fälle dieser Art. Fast stets gehen sie auf ein formatives sexuelles Erlebnis in der Kindheit zurück, bei dem ein amputierter Mensch (oder auch nur ein Mensch, der in der formativen Situation amputiert zu sein schien) eine Rolle spielte. Eigentümlich ist die Verbindung dieser Art des —> Fetischismus mit der --> Homosexualität. Entweder üben sexuelle Erlebnisse, die von Amputierten des eigenen Geschlechts erzeugt werden, einen größeren Einfluß auf das spätere Leben des Patienten aus als entsprechende Kindheitserlebnisse mit Menschen des anderen Geschlechts, oder latent homosexuelle Menschen neigen mehr zur Fetischisierung von Amputationen. Jedenfalls findet man unter Amputationsfetischisten mehr Patienten, die auf Amputierte des eigenen Geschlechts fixiert sind als auf Amputierte des anderen Geschlechts.

2.Die Amputation wird abstrahiert, um als solche fetischisiert zu werden. Fetischisten dieser Art sammeln Bilder von ganz bestimmten Amputationen (z. B. des rechten Oberschenkels, aber nicht des linken) und verehren sie als Fetisch. Besonders häufig zeigt sich in Wunschzeichnungen der homosexuelle Verkehr zweier Totalamputierter, gegenseitiger —> Cunnilingus zweier Frauen, die nur aus Kopf und Rumpf bestehen, oder gegenseitige —> Fellatio zweier arm- und beinloser Männer.

3.Jeder Chirurg kennt das Phänomen des Amputationsfetischisten, der von Arzt zu Arzt läuft, um sich unter einem oder anderem Vorwand völlig gesunde Glieder amputieren zu lassen. Manche dieser Patienten haben sich im Laufe der Jahre ein beachtliches Fachwissen angeeignet, daß sie manchmal bedeutende Kapazitäten dazu bewegen können, solche grundlosen Amputationen vorzunehmen. Wie bei allen Formen des A. liegt auch hier selbstverständlich eine masochistische Komponente vor.
4.Immer wieder findet man in der fachärztlichen und forensischen Literatur Berichte über körperlich gesunde Menschen, die sich durch Abbinden von Armen oder Beinen den Eindruck geben wollen, amputiert zu sein.

5.Als separate Gruppe sollte man jene Sadomasochisten aufführen, die einen Zeugen benötigen, um ihre >Amputation< zu würdigen. Dieser Zeuge muß dann beim Anblick des >amputierten< Patienten erschrecken, und dieser >Schreck< löst dann oft spontan den Orgasmus aus. Hier liegt also das komplizierte Syndrom eines Amputationsexhibitionismus vor, bei dem der Patient sich selber die masochistische Sensation des Erduldens geben will, während er dem anderen Menschen in sadistischer Weise einen Schreck einjagt. —> Automasochismus, Fetischismus, Masochismus. Vgl.: Buckel, Deformationsfetischismus, Graviditätsfetischismus, Häßlichkeitsfetischismus, Pelele, Prothesenfetischismus.
Amyenhaus 
[frz.: amie = Freundin], im Spätmittelalter das
Bordell nach französischem Muster. —> Bordeau, Boucan, Maison ä partie, Maison de tolerance, Mamsellenhaus, Quartier Breda, Rues aux putains, Töle d'Abattage.
Anachoreten 
[gr.: Einsiedler], der Sammelname jener christlichen Fanatiker, die sich im 4. Jahrhundert in die Einsamkeit begaben, um dort durch extreme Selbstkasteiung ihre Sünden zu tilgen. In Ägypten allein lebten gegen Ende des 4. Jahrhunderts etwa 24 000 Männer und Frauen in der Wüste (die >Wüstenväter< des oberen Nils) in Höhlen, ausgetrockneten Brunnen, verlassenen Lagerstätten von Tieren, alten Gräbern. Sie wuschen sich nicht, um nicht in geschlechtliche Versuchung zu gelangen. Manche, wie der Mönch Besarion, versuchten sich durch totale Schlaflosigkeit vor sexuellen Versuchungen zu bewahren : Besarion legte sich vierzig Jahre lang nicht zum Schlaf nieder. Der heilige Simeon lebte dreißig Jahre lang auf der winzigen Plattform einer zwanzig Meter hohen Säule: wäre er je eingeschlafen, hätte er mit seinem Leben dafür gezahlt. Sein Körper bestand zum Teil aus eitrigen Geschwüren, die von seinen Fäkalien immer wieder neu infiziert wurden. Um seinen Leib wand er ein Seil so eng, daß die Maden in die schwärenden Wunden eindrangen. Er sagte zu ihnen: »Eßt, was Gott euch gegeben hat.«
In den Verba Seniorum, den Worten der Väter, einer Sammlung der anachoretischen Maximen, fragt ein junger Mönch einen älteren, wie er es fertiggebracht habe, sich vor Versuchungen zu bewahren. »Seit ich ein Mönch wurde«, antwortete der ältere, »habe ich mir nie genug Brot gegönnt, um satt zu werden, auch nie genug Wasser oder Schlaf, und indem die Bedürfnisse nach diesen Dingen an mir nagten, vertrieb ich die nagende Lust.« Daß ein Mensch, der dauernd an das Vertreiben der Lust denkt, in höherem Maße von ihr besessen ist als jemand, der ein normales Geschlechtsleben führt, versteht sich von selbst. Deshalb liefern die Werke der Anachoreten auch reicheres Forschungsmaterial für den Sexualwissenschaftler als die der gesunden Menschen. Kaum je in der menschlichen Geschichte sind so komplizierte Perversionen ersonnen worden wie die, welche als >Versuchungen< an die Anachoreten herantraten.
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